Galerie Adlergasse

Info

Wieland Krause

RE AKTION

26.05.2023

08.07.2023

Eröffnung

26.05.2023, 20 Uhr

Kuratorengespräch

09.06.2023, 20 Uhr

Wieland Krause

1956
in Halle/Saale geboren
Ausbildung als Werkzeugmacher

1981–84
Studium Metallbildhauerei, Burg Giebichenstein – Kunsthochschule Halle bei Prof. Irmraut Ohme

1984–89
Studium Fotografie, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) bei Prof. Evelyn Richter, Diplom

seit 1989
freiberuflich als Bildender Künstler tätig.
Meist Langzeitprojekte an den Schnittstellen von Natur und Kultur im In-und Ausland.

1992/1993
SPUREN – ein Projekt in der Bergbauregion des Mansfelder Landes

2000/2001
WINDBARRIERE (eine Arbeit für Georg Pniower), Installation im Kunstverein Röderhof 2005 Errichtung der Skulptur GEWÄCHSHAUS, gemeinsam mit Johanna Bartl und Olaf Wegewitz im Skulpturenpark, Kunstmuseum Magdeburg

2008
Projekt Transit_TOKYO Arbeitsaufenthalt in Japan mit Stationen in Tokyo, Kyoto, der Fuji-Region und Inseln. Ein Schlüsselerlebnis für die weitere Arbeit. Es entsteht ein „Transit-Archiv“ mit Fotografien, Videoarbeiten, Sounds, Objek-ten, Fundstücken, Texten, Skizzen, Tagebuch

2010–2022
Lehrauftrag „Erweiterter Bildraum“ in der Bildhauerei, Burg Giebichenstein – Kunsthochschule Halle, Klasse Bruno Raetsch

2012–2016
Zusammenarbeit mit dem Klangbildhauer Martin Spühler in seinem Studio in der Schweiz

seit 2012
STILL_ Brandberge, Langzeitprojekt in der Landschaft, 3-Kanal Videoinstallation, Videoarchiv, Datenbank, zufallsgeneriert

2015
Gründung der Akademie der Künste Sachsen-Anhalt

seit 2016
4+2 STEREO Klangkollektiv Zusammenarbeit mit Lasse Marc Riek, Johannes Krause und Claus Störmer im Bereich Sound und Klangkunst

seit 2012
Künstlerhaus Thüringen, Schloss Kannawurf, auch kuratorische Tätigkeit, Initiierung von Projekten und Symposien zu Landschaft/Natur und Kunst im Kontext gemeinsam mit Thomas Blase und Roland Lange, Publikationen.

Seit 2018
experimentelles Arbeiten zwischen Sound und Zeichnung und erkunden deren Zusammenhänge.

ARBEITEN IM ÖFF. RAUM, KUNST AM BAU

1996
Installation BILDSTREIFEN Deutsche Vertretung, UNO New York

2002
INNEN-AUSSEN Kraftwerk Trotha, Halle

2005
Skulptur GEWÄCHSHAUS, Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg, Skulpturenpark

2012
Installation GRÜN_, Helios Kliniken Aue

2023
WINDANGEL Installation in der Landschaft Sachsenburg (Thüringen), ein Projekt des Künstlerhaus Thüringen Schloss Kannawurf

Henry Puchert

Eröffnungsrede

Guten Abend zur 2. Ausstellung des neuen Kuratorenteams der Adlergasse von Wieland Krause aus Halle.

Wieland Krause begegnete ich 2001.
er stiefelte bepackt mit Kameras, Mikrophonen und Stellagen ins Feld hinaus. Auf den Spiren Georg Pniors, der in den rieseigen , zusamengelegten Flächen nördlich des Huy in Richtung Helmstedt Versuchspflanzungen angelegt hatte, um dem Bodenabtrag durch Wind, der Austrocknung, der Artenverarmung an Pflanzen, Insekten und Tieren entgegenzuwirken.
Ich begriff das Anliegen, konnte mir aber nicht vorstellen, was da festzuhalten wäre.

Die Feldrbeit vor Ort betreibt Wieland Krause mit Leidenschaft. Er spricht eindringlich darüber. Es ist für ihn eine Forschungsreise in unbekanntes Gebiet. Die Erkundungen dokumentiert er in Ton und Geräuschaufnahmen, Bildpanoramen, Fimsequenzen, Fundstücken.
Das wird alles zu Materialsammlungen.

Er versucht sie zu ordnen.
Er bearbeitet nichts, er erzählt nichts.
Er zeigt Zustände.

Diese Sammlungen führen dazu, sich des Materiales und des Mediums bewußt zu werden.
Und was es auslöst.

So entstehen Werkgruppen, die Zusammenhänge in einem Ort, in einer Landschaft fassbar machen.
Diese Vorgänge befeuert Wieland Krause selbst durch Aktionen, die ein darauf reagieren ermöglichen. Also selbst wieder Hand anzulegen in Form von Zeichnungen, dem Tempo des Filmes, der Schnittfolge, dem Rhythmus und Frequenzen des Tones, collageartiger Arrangements.
Und dies immer in Bezug auf und mit dem gesammelten Material.

Somit liefert sich Wieland krause doppelt aus.
Draußen im Feld oder im urbanen Raum und dann drinnenim studio, am Schneidetisch, am Zeichentisch, am Mischpult, eben als Re-Aktion darauf. Er spricht dann vom Verlebendigen.
Ich finde, es ist ein Verwandeln.

Das was Wieland Krauses Arbeiten fordern, ist eine Aufmerksamkeitsverschiebung.
Wir betrachten die Dinge.
Wir sehen der Biene bei ihrem Tanz zu. Wir sehen in Gläser mit vertrockneten Pflanzen hinein.
Wir berühren die Salatblätter. Wir sehen den Film, der ein Staubkorn ist. Wir sehen das Schwarz und die unfassbar feinen, weißen Linien in einer Abfolge, als ob es ein Film wäre. Wir starren auf Polaroids und können uns nicht vorstellen, wie sie entstanden sind und was das überhaupt ist. Wir treten an die großen Zeichnungen heran und sehen den vermeintlichen Kosmos darin wirken.
Alles falsche Fährten.
Nichts ist davon hergestellt. Es ist entstanden.
Es gibt keine Handschrift. Es gibt keinen Stil.Es gibt nur eine Annäherung, eine Herangehensweise, eine Haltung dazu, wie das Material eingesetzt wird, welches Zeitmaß es mir auferlegt.
Dieses Arbeiten ist befreit von der Person, obwohl es durch die Person geganegn ist.

Auch wenn Wieland Krause gelegentlich Kommentare zu seiner Arbeit verfasst, die eine Eingrenzung und Hilfestellung sein können, so ist doch auch ohne sie die unendliche Weite des Staunenden zu spüren, der uns lockt, es selbst zu erfahren.

In seinen ausgehebelten Hierachien der Bildproduktion und Bilddeutung sickert eines langsam durch- was Erkenntnis eigentlich ist.

Lieber Wieland, ich danke Dir.