Galerie Adlergasse

Info

Jakob Flohe

unfold

10.01.2025

21.02.2025

Eröffnung

10.01.2025, 20 Uhr

Kuratorengespräch

21.02.2025, 20 Uhr

Jakob Flohe

1981
in Cottbus geboren, lebt und arbeitet in Dresden

2011–2013
Meisterschüler an der HfBK Dresden bei Prof. Monika Brandmeier

2011
Diplom für Bildende Kunst an der HfBK Dresden

2006–2011
Studium der Bildenden Kunst an der HfBK Dresden bei Prof. Elke Hopfe und Prof. Ralf Kerbach

seit 2012
Mitglied im Künstlerbund Dresden e.V. und im Berufsverband Bildender Künstler Berlin (BBK)

STIPENDIEN, AUSZEICHNUNGEN

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden Sammlung Ostsächsische Sparkasse Dresden
Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

AUSSTELLUNGEN
(E) EINZELAUSSTELLUNG
(Kat.) KATALOG

2025
unfold – Zeichnung, Galerie Adlergasse, Dresden (E)

2023
Konstruktive Abstraktion, Galerie 2. Stock, Neues Rathaus Dresden

2021
LINEUP, Kunstverein Meißen

2020
30 Jahre Künstlerbund Dresden – 60 Perspektiven, Städtischen Galerie Dresden
7. Künstlermesse Dresden
Deutschen Hygiene-Museum in Dresden (Kat.) 2018 EXISTENZ / Kapitel 1: Skizzen
Oktogon der HfBK Dresden SICHTWEISEN II
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Dresden

2017
Ich bin nicht meine Zielgruppe, Die Sammlung Stefan Heinemann, Kunsthaus Dresden (Kat.)

2016
KONFORM, Leerstehende Geschäftsfläche, Lemgo SICHTWEISEN,
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Dresden

2015
Schaudepot # 7
Abstrakte Bilder, Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Koschatzky Kunstpreis

2015
mumok Stiftung Ludwig Wien (Kat.)
Intuitionen, Kunstverein Schwäbisch Hall e.V. (E)

2014
STUMBLE, Projektraum am Weißen Hirsch
Galerie Grafikladen, Dresden (E)
Brand-New-Life, Oberüber | Karger Kommunikationsagentur GmbH, Dresden (E) IMPORT=EXPORT II
Galerie module / Projekt der »it’s mee gallery«, Dresden
Paarlauf, Galerie Inga Kondeyne – Raum für Zeichnung, Berlin
Heft eins (mit Christoph Roßner), FAK / Förderverein Aktuelle Kunst Münster e. V.

2013
Neun – Meisterschüler der HfBK Dresden, Kunstsammlungen Chemnitz Lines / Linien – Thesen zum Zeichnen im Raum, Kunsthaus Dresden Heft eins (mit Christoph Roßner), Städtische Galerie Dresden
OSTRALE’013, OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Dresden (Kat.) WIN / WIN – Ankäufe der KdFS 2013, HALLE 14, Leipzig
IMPORT=EXPORT, Galerie Artpool / Projekt der »it’s mee gallery«, Stuttgart

2012
voraus / ahead 2 – automatisch ungerecht, dr. julius | ap, Berlin
houseparty III – NKOTB, Galerie Baer, Dresden
Kopfüber – Ausstellung von MeisterschülerInnen, HfBK Dresden

PUBLIKATIONEN

Ich bin nicht meine Zielgruppe, Slg. Stefan Heinemann, Katalogschachtel hrsg. v. Tulga Beyerle, Stefan Heinemann, Nils Hilkenbach, mit Beiträgen v. Marcel Beyer, Tulga Beyerle/ Nils Hilkenbach, Peter Richter u.a., Dresden 2017

Signifikante Signaturen, Band 67: Jakob Flohe, hrsg. v. d. Ostdeutsche Sparkassenstiftung, mit einem Beitrag von Mathias Wagner, Dresden 2017

Walter Koschatzky Kunst-Preis 2015, Katalog der nominierten Arbeiten, Wien 2015 FKLMS/Stipendiaten 2014, Jakob Flohe, Inga Kerber, Sujin Lim, Vanessa Nica Mueller, Lena Inken Schaefer, hrsg. v. Förderkreis Schloss Plüschow, Plüschow 2014

Jakob Flohe – Tusche auf Papier, hrsg. v. Jakob Flohe, mit einem Beitrag von Carolin Quermann, Dresden 2013

Heft eins, hrsg. v. Jakob Flohe u. Christoph Roßner, Dresden 2013

»Eine Linie aufs Papier zu setzen – was so lapidar klingt, beinhaltet für Jakob Flohe einen ganzen Kosmos von Absichten, Zufälligkeiten, Widrigkeiten. Und Unterbrechungen. Denn gerade wenn die Linie ins Stocken gerät, wenn sie stolpert, dann offen-bart sich ihre ganze Kraft. Denn die Linie ist bei Jakob Flohe nie selbstsicher, sondern immer auf der Suche nach sich selbst.«
Carolin Quermann
aus dem Katalogtext »Ereignis Zeichnung« erschienen in »Jakob Flohe – Tusche auf Papier« Dresden, 2013

»Die Sprache der Linien und Formen von Jakob Flohe fordern dazu auf, in sich hineinzuhorchen und zu lauschen, ob es zu seinen Richtungen und Sperrungen, zu seinen Leerstellen und Klammerungen einen Resonanzboden gibt, der im Inneren mit-schwingt. Eine Art Durchklingen! Ob man sich wiedererkennt oder sich erkannt fühlt. Intuition ist nicht zuletzt ein Vorgang, ein Vollzug, der uns mit dem Sein berührt.«
Carolin Quermann
aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung »Intuitionen« im Kunstverein Schwäbisch Hall, 2015

© Robert Vanis
Homepage Jakob Flohe

Kirsten Jäschke

Eröffnungsrede

Liebe Besucher, lieber Jakob,

wir – also das Galerieteam Thomas Matauschek, Henry Puchert und ich – freuen uns, gleich zu Beginn des Jahres wieder eine großartige Ausstellung präsentieren zu dürfen. Und wir freuen uns sehr, dass sie gekommen sind um daran teilzuhaben.

Jakob Flohe wurde 1981 in Cottbus geboren. Er studierte an der HfBK Dresden bei Elke Hopfe und Ralf Kerbach und war dann Meisterschüler bei Monika Brandmeier.

Wie auch die Arbeiten seiner Lehrer lassen sich besonders Flohes Tuschezeichnungen durchaus als verhalten expressiv und persönlich aufgeladen lesen.

Zu Beginn des Versuchs, Jakob Flohes Intention und Vorgehensweise in Worte zu fassen, stieß ich auf einen Textauszug aus einem Buch von Peter Handke. Es heißt Gestern unterwegs, Aufzeichnungen November 1987 bis Juli 1990. Ich lese ihn mal vor:

Der eigentliche Tagesanfang; das Werden der Formen – das Sichzacken der Platanenblätter, die auf dem nassen Asphalt liegen – und das Übergehen der Formen auf mich, wodurch ich ersetzt und erweitert werde.

Ich glaube, dass der hier beschriebene Prozess auf viele kontemplativ aufgelegte Künstler aber eben auch auf Jakob Flohe als einem kontemplativen Menschen und Künstler zutrifft. Man nimmt allerlei Eindrücke aus der Umgebung in sich auf und diese Eindrücke verdichten sich im Zusammenspiel mit der eigenen aktuellen Disposition zu einer Gestimmtheit, die in einem Moment der Konzentration intuitiv in Form gefasst wird.
Der kurze Ausschnitt passt auch deshalb gut, weil zwar die Arbeiten Flohes weder die sichtbare Welt abbilden noch direkten Bezug darauf nehmen, sich aber dennoch darin eine poetische bis kantig rational maskierte Essenz des subjektiven Aufnehmens und Verarbeitens von Realität spiegelt.
Flohe fasst die ihrem Wesen her flüchtige Erscheinung von Raum und Zeit in bewegten Zeichnungen – früher in rhythmisch fließenden mit Pinsel und Tusche ausgeführten linearen Setzungen, seit einigen Jahren mit streng geometrischen, meist weißen Farbstiftzeichnungen auf schwarzer Pappe.

Sie sehen hier eine Auswahl von Arbeiten aus den letzten 15 Jahren.

In den bis ca. 2016 entstandenen und im Lauf der Zeit immer reduzierter werdenden Tuschezeichnungen geht es um Rhythmen, Abstufungen von Hell und Dunkel, Andeutungen von Bildern und das Festhalten des Augenblicks, in dem sich Bewegung ereignet, kurz um ein atmosphärisch aufgeladenes Umschreiben eines Moments subjekBver Wahrnehmung, das sich einer konkreten Einordnung entzieht.
Der Vorgang des Zeichnens mit dem Pinsel ähnelt hier der Aufführung eines weitgehend improvisierten Musikstücks.
Körper und Geist des Spielenden gehen im besten Fall eine Symbiose mit dem Instrument ein, wodurch sich seelische Impulse unmittelbar in Klang und Rhythmus spiegeln. Die Physis des Künstlers ist eng an sein Instrument, also hier an den mit Tusche gefüllten Pinsel gekoppelt und daher auch in der fertigen Zeichnung unterschwellig stets präsent.

Die neueren Farbstift- und Kreidezeichnungen sind frei von solch sublimen sich aus dem intuitiven Zeichnen mit der Tusche ergebenden, das Subjektive und Einzigartige der Wahrnehmung betonenden Nuancen.
Der Körper der sie schuf versteckt sich hinter den Kulissen.
Sie lesen sich ohne festgesetzten Anfang oder ein bestimmtes Ende und umschreiben trotz ihrer illusionär in den Raum eintauchenden geometrischen Formen und Linien kein statisch umgrenztes Volumen.

Eine Reihe der Zeichnungen aus dieser Reihe trägt ebenso wie die Ausstellung im Ganzen den Titel „Unfold“, was übersetzt aufklappen oder auch entfalten bedeutet. Dementsprechend wölben sich die wie Faltungen erscheinenden geometrischen Formationen im Auge des Betrachters mal nach außen und mal nach innen, wodurch sie stets in Bewegung zu bleiben scheinen.
Daraus entsteht die beinahe romantische Idee von Körpern, die ihre Geschlossenheit aufgeben um in der Fragmentierung und einer auch dadurch ermöglichten Bewegtheit etwas von der Unbestimmtheit eines grenzenlosen Raumes in sich aufzunehmen oder sich darin zu verlieren. Durch die Preisgabe des eigenen Volumens leichter geworden beginnen sie zu schweben.

Manchmal entsteht wie im Tanz ein verbindlicher und zugleich loser Kontakt zwischen einzelnen Elementen, das im Bild eingelöste Versprechen „to stay in touch“.
Hinter der Maske des Kantigen und Rationalen, die vordergründig mit der ihr eigenen Bestimmtheit auftritt erscheint durch die Selbstvergessenheit der Körper ein Paradox. Eine als variabel und fast fließend wahrgenommene Bewegungsabfolge setzt der Härte der Umrisse etwas verhalten Schwungvolles und Spielerisches entgegen.
Die Wandzeichnungen die sie hier sehen hat Flohe speziell für diese Ausstellung angefertigt. Hier drängt sich eine gefühlte Nähe zu Tanz und Choreografie durch das menschliche Maß besonders auf.

Die bei näherem Hinsehen porösen mit Kreide oder Buntstift gezeichneten Linien assoziieren nicht nur eine gewisse Brüchigkeit. Die Vorstellung wie demnächst jemand mit dem Schwamm über die Tafel wischt und die Zeichnung enkernt, liegt ebenfalls nahe. Solche wenn auch dezenten Verweise auf Alltag und Vergänglichkeit ziehen das Pathos des Absoluten, das der zackig-strengen Darbietung in Schwarz-Weiß innewohnt, ebenfalls ins Absurde.
Ein weiterer häufig aufretender Titel ist Resonanz.
Resonanz findet statt, wenn durch die Schwingung des einen Körpers die Eigenfrequenz des anderen angeregt wird.
Eine jeder Statik entgegengesetzte Erschütterung kommt in Gang.
Etwas auf die Spitze getrieben formuliert zeichnet Jakob Flohe also Formen, die sich in der Bereitschaft sich von Außenimpulsen in Schwingung setzen zu lassen, ein Stück weit selbst aufs Spiel setzen. Sie sind in Bewegung bleibend zur Selbstverwandlung bereit.
Mit diesem Hoffnung weckenden Gedanken entlasse ich Sie in die Ausstellung.