O.T. | 88 x 130cm | Mischtechnik auf Leinwand | 2025
O.T. | 120 x 132cm | Mischtechnik auf Leinwand | 2023/25
Andreas Dörfel
Spätschicht
05.09.2026
—
23.10.2026
Eröffnung
04.09.2026, 20 Uhr
Kuratorengespräch
23.10.2026, 20 Uhr
O.T. | 88 x 130cm | Mischtechnik auf Leinwand | 2025
O.T. | 120 x 132cm | Mischtechnik auf Leinwand | 2023/25
geboren 1960
in Rochlitz
Kindheit in Wechselburg
1978
Abitur in Rochlitz |
1980–85
Studium Architektur an der TU Dresden
1985–88
Zusatzstudium für architekturbezogene künstlerische Gestaltung an der HfBK Dresden
ab 1988 freiberuflich
Beginn informelle Malerei
ab 1986
Lebensgemeinschaft mit Sabine Palme
gemeinsame Kinder 1988 Simon, 1992 Lou und 1996 Nils
1990
Mitbegründer Kulturverein riesa efau in Dresden Friedrichstadt und Galerie Adlergasse als Produzentengalerie
Teilnahme an den Gruppenausstellungen der Galerie in Dresden, Chemnitz, Leipzig und San José (USA)
1993
Ausstellung »bilid« Galerie Adllergasse
1996
Ausstellung »Grenzpunkt Null« mit Stefan Voigt GaDeWe Bremen
ab 1996
Arbeit überwiegend als Architekt tätig
ab 2010
als freier Mitarbeiter bei mmk_architekten, Dresden
ab 2000
Lebensgemeinschaft mit Kathrin Franke
2016
Ausstellung »Graulicht« Galerie Reuterstraße Berlin
ab 2017
Atelier im Industriegelände Dresden
2019
Ausstellung »Fragmente« Galerie Kunstgehäuse, Dresden
2022
Ausstellung »Traces« Full Moon Gallery, Dresden
2025
Ausstellung »Unland« Galerie Winzerhof, Potsdam
Thomas Matauschek
Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst!
Heute werden hier im Kulturforum gleich zwei Ausstellungen eröffnet, die eng mit der Gründung des riesa efau verbunden sind. Hier die Ausstellung SPÄTSCHICHT von Andreas Dörfel und in der Motorenhalle 30 Jahre REINIGUNGSGESELLSCHAFT unter dem Motto »Zusammen handeln für ein aufgeräumtes Morgen.« Es steckt in diesem Motto eine gehörige Portion Ironie, denn bis vor kurzem galt Deutschland ja noch als »aufgeräumtes« Land und Ordnung ist gleich Schönheit. Oder doch nicht?
Zusammen handeln auch wir hier in Galerie, indem wir, Kirsten, Henry und ich, die Arbeiten der einzelnen Künstlerinnen und Künstler in diesem Raum inszenieren. Wir glauben daran, dass Werke und Werkentwicklungen Einzelner nach wie vor gezeigt werden müssen.
Der Ausstellungstitel SPÄTSCHICHT ist ja ebenfalls nicht ohne Ironie: Dörfels Bilder entstehen spät am Tage nach der Erwerbsarbeit als Architekt und Schichtablösung ist nicht vorgesehen. Geschichtet wird Eitempera, Ölfarbe, Pigmente, Sand, Wandfarbe oder Pappmaché über Drahtgeflecht. Die SPÄTSCHICHT ist die letzte Schicht, die sehen wir, die darunter liegenden Schichten sind nur zu erahnen.
Ausnahmsweise möchte ich hier mal der Praxis von Kunsthistorikern folgen, die gern gerade Erschienenes gleich für ihre Eröffnungsreden nutzen. Gerade las ich unter Zeit.de Maximen des italienischen Künstlers Mauricio Catellan. Zitat: »Kunst ist kein Reinigungsmittel. Sie hinterlässt Flecken.«Das trifft bei Dörfel zu.. Weiter: »Hinterlasse keine Spur. Hinterlasse einen Riss.« Diese Aggressivität strebt Andreas Dörfelin in seinen Bildern nicht an. Er hinterlässt Spuren, als Zweifler tritt er diese Spuren aber nie breit. Sie bleiben offene Angebote ihnen zu folgen oder es bleiben zu lassen.
Catellan weiter: »Etwas fehlt? Lass es so.« und: »Ich wollte nie Künstler sein. Ich wollte frei sein.« Auch diese Maximen treffen zu, wobei ich mir sicher bin dass er, der Architekt und Maler, einen sehr verantwortlichen Begriff von Freiheit hat. Ich konnte mich durch unsere gemeinsamen Gründungszeiten des Vereins, des Kinderladens und der Galerie Adlergasse davon überzeugen. Er ist vorbildlich. (Offenbar ist er so vorbildhaft dass seine Söhne ebenfalls Architektur studierten. Während die Tochter der Mutter folgte und Psychologie studierte, um mal aus dem Nähkästchen zu paudern.) Der »schmutzigen« Kunst allerdings folgen seine Kinder, meines Wissens nach, nicht.
Im Gegensatz zu den Erfordernissen seiner Arbeit als Architekt, sind Dörfels Bilder nicht konstruktiv. Hier wird keine Zeichnung umgesetzt oder Tragfähigkeit errechnet. Meist geht er in seiner Malerei den umgekehrten Weg. Festigkeiten werden aufgelöst oder überlagert. Zeichnerische Elemente sind oft beiläufige Spuren, wie Kratzer im Vorübergehen, scheinbar ohne Gestaltungswillen. Mitunter taucht aber doch ein strengeres Element, wie eine gerade Linie oder ein kürzelhafter Grundridss auf, da kommt der Architekt durch. Es entstehen Geschichten ohne Erzählung, vergleichbar den Oberflächen alter Fassaden, die noch nicht saniert wurden. Putz hat sein Grau und Graphit hat sein Grau. Sand ist sandfarben. Mehr Farbe braucht er nicht. Dörfel möchte das seine Bilder porös bleiben.
Porösität heißt ja auch Offenheit zum Betrachter hin. Und der erste Betrachter ist ja immer der Maler selbst. Man kann Schwierigkeiten haben diese Bilder als Malerei anzusprechen, denn sie scheinen sich selbst naturhaft gebildet zu haben. Ihr Objektcharakter kommt uns entgegen.
Etwas Plastisches Objekt zu nennen geht ja irgendwie immer. In diesem Fall trifft es die Sache aber nicht. Wir sehen offene Gehäuse nur die beiden Kuben auf der hellen Platte sind geschlossen. Dünne rauhe Wände umschließen leeren Raum. Man kann an verlassene Muschel- und Schneckngehäuse denken – also Natur-Architektur. Die Glätte in der Muschel oder im Schneckengehäuse findet sich aber nicht. Glätte wäre ja eine Verdichtung des Materials. Die Industrielle Glätte umgibt uns überall. Sie ist abweisend. Der Künstler sucht das aus der Erde kommende, richtet den Blick auf den Boden. Sein Element ist nicht die Luft. Auf die Frage wann ein Bild fertig ist, antwortet er das er das einfach fühlt. Da er an mehreren Stücken arbeitet ist der Prozess langsam und geht mitunter über Jahre. Sollte es mal schnell gehen, ist er nicht skeptisch sondern genießt es.
In der Vitrine werden 21 Monotypien aus einer Serie von 60 Blättern von 2021 auf dünstem Papier doppelt angehoben präsentiert. Sie entstanden auf Anregung seiner Tochter Lou Palme, die damals Psychologie studierte und als Joga-Lehrerin arbeitete. Zitat: Je eine Monotypie wurde einem Thema, wie Gehirn, Traum, Achtsamkeit, Selbstmitgefühl, Angst, Schlaf, Dankbarkeit zugeordnet. Die Arbeiten sind allerdings nicht als Illustrationen der Themen im engeren Sinne zu verstehen, sondern stehen als eigenständige Arbeiten diesen allgemeinen Themen nah und sind durch diese inspiriert worden.« Die Monotypie ist ein einmaliger Druck. In diesem Fall wurde sie von der Glasplatte abgerieben. Die Eimaligkeit
und Spontanität des Druckvorgangs entspricht ihm.
Die Künstlerinnen und Künstler unserer Ausstellungen sind eingeladen in den Werkstatt des riesa efau ein Blatt zu unserer Galerie-Edition beizutragen. Es kann, in einer Auflage von 15 Blatt, Lithografie, Radierung, Holz- oder Linolschnitt sein. Anfangs stand Andreas der Wiederholbarkeit von Druckgrafik skeptisch gegenüber. Wir haben ihn umgestimmt. Er wird
sich an der Lithografie versuchen. Auf dem Stein ist vieles möglch und er hat Gewicht, wie einige seiner kleinen Bilder.
Andreas Dörfel hat eine Menge Humor aber in der Kunst sucht er existenziellen Ernst.
So hat er auch Zitate der Leipziger Schfiftstellerin Angela Krauß aus ihren Poetikvorlesungen ausgesucht.
Zitat: »Wer sich darauf versteht, Formen zu fühlen, dem eröffnet sich Sinn. Wer glaubt, Sinn erargumentieren zu können, dem bleiben Konstrukte. …«
»... Es ist etwas Alltägliches und etwas Ungeheuerliches zugleich, daß wir umgeben und durchdrungen sind von dem Anderen, Unbekannten, Unberechenbaren. Das Quentchen Faßbares in uns und um uns herum und die unfaßbare Ausdehnung dessen, was in der Schwebe bleibt – davon handelt alle Kunst, dafür ist sie erfunden: um uns unseres eigenen Rätsels zu versichern.«
Also sind wir hier um die Rätselhaftigkeit dieser Kunst-Stücke miteinander zu teilen, vielleicht zu beschreiben aber nicht nach Erklärungen zu suchen.
Vielen Dank.