Galerie Adlergasse

Info

Maja Drachsel

Feldsteine

20.03.2026

08.05.2026

Eröffnung

20.03.2026, 20 Uhr

Kuratorengespräch

08.05.2026, 20 Uhr

Maja Drachsel

1978
geboren in Hennigsdorf

2002–10
Studium der Malerei/Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Prof. Elke Hopfe, Prof. Siegfried Klotz, Prof. Peter Bömmels (Diplom)

2010–15
Meisterschülerstudium bei Prof. Elke Hopfe und Prof. Christian Macketanz

2005–07
Studienaufenthalt, Repin Akademie, Sankt Petersburg, Russland

seit 2019
Künstlerische Mitarbeiterin an der HfBK Dresden als Leiterin der Maltechnik Werkstatt

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)

2011
GUCK UND HORCH Galerie Villa Bösenberg, Leipzig

2012
TORBOGENBILDER T.V.O.D. Galerie, Berlin

2013
WEISSE WAND FÜR JUNGE KUNST VG – Mitte, Dresden

2014
CANALETTO PREIS beim Palais Sommer, Dresden

2015
ABENDLAND Galerie Ines Schulz, Dresden

2018
NOSTALGIE – PERIPHERES SEHNEN Galerie Ursula Walter, Dresden

2023
MAJA DRACHSEL – MALEREI Brandenburgischer Kunstverein, Potsdam

2024
UNMACHT Kunstpavillon Heringsdorf, Usedom
TAGHELLES LEUCHTEN mit Antje Guske und Danny Linwerk, Galerie Sandau, Berlin
MOND HAB ICH AUCH mit Dorothée Billard, Oktogon HfBK Dresden

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28.2
Schlussfolgerungen:

Ich mache Dreck.
Mein Dreck erregt mich.
Malerei ist der Dreck, den ich im Atelier mache.
Mein Atelier-Dreck erregt mich.
Ich zeige, was mich erregt in der Hoffnung, dass es andere ebenso erregt – Macht man’s beim Sex nicht genauso?
Was ich will, das man mir tu, das füge ich And’ren zu. Konklusion:
Ich will Deinen Dreck sehen.

aus Lisa Kränzler NOON, Roman Verbrecher Verlag, 2022
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Kirsten Jäschke

Eröffnungsrede

Liebe Besucher, liebe Maja,

wir, Thomas Matauschek, Henry Puchert und ich, freuen uns sehr, Malerei von Maja Drachsel zeigen zu dürfen.

Es wird jetzt Frühling, und der Frühling zieht nach einer längeren Folge von AUSSTELLUNGEN, in der Farbe wenig bis keine Rolle spielte, mit dem leuchtenden Kolorit der Gemälde Majas auch in unsere Galerie ein.

Sachsen liegt nicht am Mittelmeer, aber manchmal könnte man es glauben vor Majas Bildern.

Leuchtendes Gelbgrün, Blau, Rosa, Rot, Orange, Blaugrün und Pink lassen die silhouettenhaft aufgefassten Gegenstände in ihren Bildern strahlen und bilden ein klingendes emotional aufgeladenes malerisches Potpourri. Die nervöse lineare Dynamik von Comic Strips durchläuft durchlässig und undurchlässig gemalte, manchmal im Stil von Collagen übereinandergelegte Flächen. Räumliche Tiefe entsteht durch das Spiel mit Farbe und Transparenz. Sonne, Schatten, Stillleben, Stadtgeschehen, Ruhe und innere Aufruhr – die düster-romantische bis zum Tod hinstrebende Seite des Dresdner (Nach-) Expressionismus taucht hier ein in freundlichere, lebensbejahende Gefilde.

So viel kurz zusammengefasst.

Insgesamt zeichnet Majas Malerei ein eigener, freier Umgang mit Tradition aus.

Das klingt besonders für Nichtmaler – glaube ich – sehr viel einfacher zu erreichen, als es ist. Künstler, die es mit der Malerei ernst meinen, so mein Eindruck, leiden häufig darunter, dass irgendjemand in der langen Geschichte der Malerei etwas scheinbar schon einmal ähnlich und besser gemacht hat, nicht zuletzt handwerklich-technisch.

Maja machte da keine Ausnahme. 1978 in Hennigsdorf bei Berlin geboren, entschied sie sich für die Kunsthochschule Dresden, weil ihr der Ruf vorausseilte, dort eine vergleichsweise solide handwerkliche Ausbildung zu erhalten. Das reichte ihr aber nicht, und so ging sie für eineinhalb Jahre nach St. Petersburg an die Repin-Akademie, um dort auf den Spuren des berühmten Ilja Repin so altmeisterlich-akademisch wie möglich malen zu lernen, immer das große Vorbild aus dem 19. Jahrhundert vor Augen.

Dieser Anspruch stellte sich, wenig verwunderlich, als fehlgeleiteter Perfektionismus heraus.

Nachdem sie also so ganz praktisch ihre Grenzen ausgelotet hatte, konnte sie sich zurück in Dresden, wo sie bis 2015 studierte, auf das ihr Eigene und Mögliche konzentrieren und zur persönlichen Meisterschaft kultivieren.

Aus der Zeit in St. Petersburg ist die Liebe zu russischen Ikonen geblieben. Die Heiligenbilder hier und im Foyer sind daran angelehnt, auch wenn sie Freunde der Künstlerin zeigen.

Auf der Suche nach Genauigkeit zäumt Maja nun sozusagen das Pferd von hinten auf.

Statt alles bis ins Detail realistisch auszuarbeiten, hat sie sich eine Spontaneität und Selbstvergessenheit während des Arbeitens zurückerobert, die der von Kindern ähnelt. Wer hat nicht schon einmal die schwer zu definierende emotionale und kompositorische Treffsicherheit in manchen Kinderarbeiten bewundert?

Um nachvollziehen zu können, was ich damit meine, lohnt sich ein Blick auf die hier ausgelegten Zeichnungen und Collagen. Hier kommt alles, was auch die Bilder auszeichnet, noch deutlicher zum Vorschein: Impulsivität, gesteigerte Farbigkeit, die im wörtlichen wie übertragenen Sinn collagehafte Vorgehensweise, das Zurückgreifen auf Gefundenes als emotionaler Impulsgeber. Und nicht zuletzt eine Noblesse, die sich trotz einfachster Mittel, scheinbarer Unfertigkeit und einer bis ins Raue gehenden Linienführung wie durch ein Wunder mit größter Selbstverständlichkeit ergibt.

Das Wissen um Tradition ist bei aller Freiheit vom streng Akademischen ein Schatz, auf den Maja zurückgreifen kann, wenn es ihr entspricht. Dazu gehört auch ihre intensive Beschäftigung mit Maltechnik, die sie zudem seit 2019 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunsthochschule Dresden unterrichtet.

Maja hat ein sehr sinnliches Verhältnis zur Farbe. Farbklang und Textur sind an Materialien wie verschiedene Bindemittel für die Pigmente gebunden, und nie käme es ihr darum in den Sinn, Farben fertig zu kaufen. Ein Ocker zum Beispiel ist nicht gleich ein Ocker, und so sorgt sie dafür, immer auf mehrere Mixturen davon zurückgreifen zu können, die sie während des Malens intuitiv auswählt. Die Lust auf und an der Farbe ist dabei bisweilen so groß, dass sie sich – ich zitiere – manchmal vorkommt wie ein Kind, das zu viele Süßigkeiten gegessen hat.

Diese ans Physische grenzende Hingabe an den Augenblick bleibt in ihren Zeichnungen, Collagen und Gemälden als vitales und relativierendes Moment spürbar, gerade auch wenn die Bildthemen existenzielle Nöte, menschliche Abgründe, Verlassenheit und Traurigkeit zum Gegenstand haben.

Kurz und mit Majas Worten gesagt: Es ist nie so ernst, wie es aussieht.

Doch, manchmal ist es ernst – aber ein wunderbarer Groove aus Lässigkeit, Spontanität, Lebenslust, Sinnlichkeit und Wildheit durchläuft die Bilder, besonders die neuesten – ein Pfad, auf dem Maja sich treiben lässt, komme, was wolle.

Bevor ich sie in die Ausstellung entlasse, noch ein Hinweis: Das Künstlergespräch mit uns und Maja Drachsel findet am 8. Mai um 20.00 Uhr statt.

Jetzt wünsche ich uns einen schönen Abend und gute Gespräche.