Galerie Adlergasse

Info

Frank Walther

Die unablässigen Versuche, einen Stein zu erweichen

19.01.2026

20.02.2026

Eröffnung

16.01.2026, 20 Uhr

Kuratorengespräch

20.02.2026, 20 Uhr

Frank Walther

Anfangen, wo es anfängt: Es war im Dezember im Jahr 1952, Winter (?), als ich in einem Krankenhaus im Süden Leipzigs geboren wurde.
Nach Kindheit und Schulbesuch Lehrausbildung zum Offsetdrucker und zum ersten Mal eine Berührung mit dem Steindruck, wenn auch nur theoretisch, am Rande.
Nach dem Ende der Lehrzeit wurde ich in der Druckerei „strafversetzt“ an eine
Ein-Farben-Maschine (da konnte man kein Geld verdienen); ein Glücksfall, weil ich dort Dinge drucken mußte/konnte, die weit außerhalb der üblichen Routine waren. Die interessanteste Erfahrung war wohl der Druck von Gemäldereproduktionen (Cranach), nach Steindruck-Skalen aus dem 19. Jahrhundert mit bis zu zwölf Farben, anstatt der standardisierten vier Farben.
Danach folgte ein Jahr Volontariat bei einer Zeitung, wieder ein halbes Jahr als
Offsetdrucker, einige Jahre als Hersteller in einer Werbeagentur und eine Tätigkeit als Verzahner in der Firma eines Freundes.
Durch die Arbeit in der Werbeagentur kannte ich Druckereien im ganzen Land (das damals noch recht klein war) und wußte auch, in welchen Druckereien es früher Steindruck-Abteilungen gegeben hatte; einige hatten die Mühe gescheut, ihre Stein-lager im Keller zu räumen, dort habe ich meine ersten Steine erworben.
Dann kam erst Pech – eine Stelle in der Lithowerkstatt der HGB Leipzig war bereits
besetzt – und danach Glück, die Werkstatt der HGB vermittelte mir den Kontakt zu Johannes Heisig von der HfbK Dresden, wo ebenfalls eine Stelle in der Lithographie-Werkstatt zu besetzen war.
Zum Wintersemester 1983 nahm ich auf Honorarbasis die Tätigkeit als Mitarbeiter in der Lithographie-Werkstatt an der HfbK unter Roland Ehrhardt auf, wurde 1985 fest angestellt und nach dem Ausscheiden von Roland Ehrhardt ab 1990 Werkstattleiter.
Zum Ende des Jahres 2018 wurde ich in den Ruhestand vertrieben.

„Der Steindrucker Frank Walther“ ist vielleicht nicht nur eine Rander-scheinung, aber ohne die Künstler, die ebenfalls „unablässig versuchten, einen Stein zu erweichen“, ohne die Kollaboration von Künstlerinnen, Künstlern und Drucker, die als sehr persönlich, wenn nicht gar als intim bezeichnet werden kann, hätten viele der „unmöglichen“ Drucke überhaupt nicht entstehen können.

Das geht auch nicht mit jedem, zumindest konnte ich das nicht. Zu Beginn einer solchen Kollaboration umschleicht Einer diesen Stein, nimmt auchc schon mal einen Abzweig über Papier oder was sonst gerade in der Nähe liegt, vielleicht auch einem Glas Wein; der Andere (in dem Fall alsoich) umschleicht den Einen, unauf-fällig (haha) und möglichstunaufdringlich, um zu sehen, was der wohl so macht, manchmal mit Staunen, gelegentlich mit Kopfschütteln und in einigen Fällen auch mit Händevorsgesichtschlagen – natürlich nur innerlich.

Dann kommt das erste Ergebnis und man kann darüber reden, was beim Anderen so herauskommt, wenn der Eine das macht, was er eben gemacht hat.

Nach einer Zeit der Gewöhnung kann man sich auch auf die für beide passende Musik einigen, fast konspirativ Literatur antragen, einfachindem man mal ein Buch auf dem Teetisch liegen läßt, zufällig, versteht sich. Natürlich spricht man auch über die bezeichneten Steine und ob dasüberhaupt noch geht, nach dem x-ten Zustand und wenn dann beide derMeinung sind, sie wüßten es nicht, doch man sollte es auf jeden Fall probieren – dann, ja dann beginnt es interessant zu werden: wenn beide versuchen, „den Stein zu erweichen“.

Und das ist es, was in der Ausstellung zu zeigen versucht werden sollte,
„der Drucker Frank Walther“ ist lediglich derjenige, der die Drucke von ein paar verschiedenen „Einen“ zur Verfügung stellen kann.

Frank Walther (in einer E-Mail an die Kuratoren)

Früh kriecht unser Mann aus dem Bette. Er weiß nicht wo er ist,
er hat die Augen offen, aber er sieht nichts. Im Geviert des Fensters hat die Schwärze der Nacht die ersten helleren Striemen.
Wie sich der Schlaf aus seinen Augen verliert beginnt er Formen zu unterscheiden.
Die erste scharfe Kante entsteht, als ein Auto die Straße hochfährt. Das Licht seiner Scheinwerfer macht Konturen sichtbar –
Aber sie lassen sich nicht festmachen,
sie wandern, verlassen den Gesichtskreis, verschwinden wie sie gekommen sind.
Unser Mann sinkt zurück in die Kissen.

Mit dem Erscheinen der Sonne gewinnen die Dinge ihre wahre Gestalt – und verlieren am Geheimnis, welches Schlaf und Dunkelheit ihnen gestattet hatte.
Jetzt, im Wachwerden, erschließen sich auch die Räume, später die Farben.
Alles wird erkennbar, erklärt sich, Täuschung kaum möglich.
Das Gehirn fängt an zu denken. – Was für ein ungeeigneter Zeitpunkt, ein Litho zu beginnen.

Claus Weidensdorfer

Henry Puchert

Eröffnungsrede

Guten Abend und herzlich Willkommen zur ersten Ausstellung des Kuratorenteams Kirsten Jäschke, Thomas Matauschek und Henry Puchert im neuen Jahr.

„Die unablässigen Versuche, einen Stein zu erweichen“ heißt die Ausstellung, die der Arbeit des Steindruckers Frank Walther gewidmet ist. Der Titel lässt nicht nur an das tapfere Schneiderlein bei den Riesen denken, sondern zeigt versteckt die Dimension des Ringens um einen Zustand, an dessen Ende auf dem Papier, erst der Drucker, dann die Künstler einverstanden sind.

Du musst durch diese eine Tür. Und hinter dieser Tür, deren Klinke in einer Höhe von 1,50 war, beginnt eine andere Welt.
Die Tür zur Steindruckwerkstatt öffnete jeder Studierende im 3.Studienjahr an der HfBK Dresden. Das Kurssystem verpflichtete dazu.
Hinter dieser Tür arbeitete und lebte Frank Walther. Sein Reich empfing Dich einen mit Gerüchen, von Düften kann ich nicht sprechen, des Gummiarabikum, der Salz-und Salpetersäuren, des Asphaltstaubes und dem Brenngeruch nach aufgeschmolzenem Asphalt, dem Benzin der Barthellötlampe, des feuchten Einlegepapieres, das ausgebreitet trocknete, des Arbeitsschweißes, der sich in den Hemden über den Stühlen oder den Arbeitsgerätendes ausbreitete, des verbrannten Tabaks und kalter Zigarettenasche und vom schwarzen Tee. Das sog sich in den Klamotten, die man so trug, fest wie Klebstoff. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass hier jemals gelüftet wurde.
Sein Refugium war ein Apendix unterhalb des Feldbauerateliers, hinter und unter der steilen Treppe, auf der für den Historienmaler Max Feldbauer die Pferde nach oben bugsiert wurden, einen schmalen Gang an den Toiletten vorbei, nochmals Stufen nach unten und dann die besagte Tür mit der Klinke.
Geöffnet und wieder eine Stufe nach unten lief ich vorbei an Tischen mit bezeichneten Steinen einen Gang entlang, um aufgestellte Handholzpappen, die trockneten, auf einen helleren Raum mit offener Flügeltür zu, da die große Presse, um dann vorsichtig nach links in einen kleinen Raum zu gaffen.
Da saß Frank Walther rauchend beim Tee. „Was es denn gäbe?!“ Ich stammelte meinen Satz: “Ich wollte fragen, wann ich kommen soll.“ Und mit ausladender Geste holte er Zettel und Stift vom hinter ihm stehenden Schrank, um sich zu notieren, wen man darstellt.
Die Hürden einer jeden Werkstatt begründen sich darin, wie ich aufgenommen werde und ob ich diszipliniert genug bin.
Denn Drucken ist ein Prozess. Er ist an Abläufe und Zeiten gebunden. Die sind einzuhalten. Mal eben was draufkritzeln is nich. Drucker lieben Pünktlichkeit und Ordnung einhalten. Das ist unabdingbar.
Vergegenwärtigen wir uns alle Vorgänge.
Den Stein auswählen. Den Stein prüfen; ist er geklebt, hat er Risse, wie gerade ist er, was war zuvor drauf. Den Stein schleifen. Grobes Korn 3 mal, mittleres Korn 3 mal, feines Korn 3 mal. Wehe, wenn das Korn nicht bis zu Ende verschliffen wurde. Dazwischen prüfen, mit einem Stahllineal ob noch alles im Wasser ist. Mit der groben Feile die Kanten brechen, mit der feinen Feile die Kanten glätten. Nun Körnen! Feinstes Korn Nr. 6. Prüfend fährt der Handrücken über den Stein. Vom Schleifraum geht es nach oben in die Werkstatt zum Bezeichnen. Kreiden verschiedener Härtegrade, Tusche und andere Werkzeuge, die beim Drucker Erhard keinesfalls zum Einsatz kamen. Becher mit verdünnten Tuschen, Rasierklingen, Schaber, Glaspfrofen zum Herausschleifen verunglückter Stellen, Bimssteine …
Glaubt man fertig gezeichnet zu haben, wird der Stein mit Talkum bepudert, das Talkum mit einer Hasenpfote gereinigt, der Rand gummiert, der Stein gummiert, dann geätzt, erst schwach dann stark. Das ganze steht dann rum. Papier muss gerissen, indirekt gefeucht werden, da vergehen schon mal 2 Tage. Du stellst die Presse ein. Verkeilst den Stein. Tauschst den Reiber auf die richtige Größe. Markierst an der Presse Dir wo der Reiber aufsetzt und bis wohin Du den Stein unter dem Reiber durchleierst mit der Handkurbel. Prüfst den Druck. Drehst am Rad. Fettest die Pappe unter der Dein Druckpapier liegen wird. Legst Dir das gefeuchtete Papier zurecht. Stapelst die Trockenpappen. Dann beginnt die Prozedur des Abwaschens der Gummisäure, des Auswaschens der Zeichnung mit Terpentin, des Anreibens des gesamten Steines mit Auswaschtinktur, des Abwischens der Tinktur mit einem Terpentinhaltigem Lappen, die Zeichnung ist wieder zu sehen, der Wegnahme des auf dem Stein gelösten Schmutzes mit Wasser und Schwämmen. Jetzt kann angewaltzt werden. Schwarz. Wieviel Farbe ist schon auf der Lederwalze? Wie weich ist mein schwarz. Kurz und streng. Nichts darf zulaufen. Immer feucht lassen den Stein. Du ziehst Dir mit der Spachtel eine Farbstreifen auf den Farbstein. Nur kurz hineinrollen. Dann verwalzen. Gleichmäßig auf der Rolle! Du hörst es am Geräusch der Farbe vom Farbspiegel. In schnellen Bewegungen mit der Rolle nimmst Du Farbe auf. Feuchtest den Stein. Ein feuchter Schwamm, ein trockener Schwamm. Dreimal einwalzen und dabei die Zeichnung beobachten. Welche Stellen haben genügend Farbe… Den Rand säubern mit Filz. Papier auflegen. Mit der gefettetem Pappe den Tisch mit dem eingespannten Stein unter den Reiber fahren. Bis zur Markierung. Jetzt den Druckhebel senken. Mit der Kurbel den Tisch unter dem Reiber bis zur nächsten Markierung durchziehen. Den Druckhebel geführt nach oben nehmen. Den Tisch zurückfahren. Die Pappen abziehen. Den Druck vorsichtig vom Stein nehmen. Den Stein feuchten. Du beschaust das Blatt. Is was geworden? Wie geht es jetzt weiter? Meist alles von vorn, denn der erste Druck ist noch nicht richtig da. Also feuchten und einwalzen.

Jeder Druckgang ist ein Vabanquespiel.

Das werkeln hast Du Dir erarbeitet durch dranbleiben. Trotz aller Fehlschläge. Verätzter Stein, gebrochener Stein …

Frank Walther beobachtet Dein Tun. Und Du beobachtest das Tun von Frank. Wie er mit dem Stein umgeht, wie er Farbe aufnimmt, wie er den Stein beim Einwalzen beobachtet, wie er, und das war die Sensation, den Druck einstellt, auf die Presse klettert und den Hebel nahezu springend herunterzieht. Der Stein hat soviel Druck, dass einem Bange wird. Die Presse ächzt beim Kurbeln. Der Sterin kippt von einer Seite auf die andere. Bloß nicht herunterrutschen. Und all das muss ich auch leisten? Du trinkst Schwarztee mit, rauchst, besprichst Dich mit ihm. Glotzt auf die Steine der anderen Künstler. Was machen die so? Auch Frank fragt sich das. Er entwickelt Strategien, Arbeitsweisen dem unterschiedlichen Herangehen begegnen zu können. Er lässt erstmal alles zu. Wie agieren denn die anderen? Es gibt jene, die haben Vorlagen, Skizzenbücher, Aquarelle, andere haben Themen: Texte, Gedichte, Weltschmerz, Sex, sich selbst und wieder andere wissen nicht, wo sie anfangen sollen und fangen erstmal an. Machen erst einmal was drauf. Der 1. Zustand wird gedruckt. Da sieht vieles harmlos aus. Er brennt den Asphalt in den Stein, entsäuert ihn mit verdünntem Essig. Und die Künstler schleifen, kratzen in den Asphalt, gießen Tusche aus, wischen alles weg, zeichnen drüber. Was soll das werden? Schon 4 Schichten Tusche, und hier gar kein Korn mehr. Im 3. und 4. Zustand hat die Zeichnung kleine Reliefs auf dem Stein hinterlassen. Wie soll er das Ätzen? Was ist davon noch stabil, was nimmt Farbe an, wie kann er diesen Zustand halten, wenigstens für 2, 3 Blätter.

Nach dem Hochschulalltag macht er sich ran. Es ist 17 Uhr. Die Anlage wird hochgefahren. Die Musik füllt die ganze Werkstatt. Jazz und Rock - schräg und laut. In den Zigarettenpausen bläst er den Rauch über den Stein und sinniert über Inhalt und Form. Spricht mit sich selbst. Über machbaches und den Teufel. Der taucht unvermutet auf. An Stellen, denen er keine Beachtung schenkte. Die keine oder zuviel Farbe annehmen. Wo nachgeätzt werden muss mit Pinsel und Bier. Er begeistert sich für die Nuancierungen der Strukturen, wenn das Schwarz nicht alles platt macht. Die Differenzierungen können nicht groß genug sein. Noch enthusiastischer ist er, wenn sich alles verwandelt, hier, bis in den letzten Winkel hat die verdünnte Tusche diese Wolkenschlieren gebildet und dann „bämm“ das Schwarz der Brücke das Bild teilt als herabfallenden Keil und dort ist die Kreide soweit verschliffen, dass sie einen Grisselton erschafft, der ganz Haar ist. Aber wie das druckbar halten?

Dann gibt es noch zusätzliche Experimente auf dem Stein. Jene mit Umdruckpapieren, mit Schabgründen, mit Gummiarabikumzeichnungen und Auswaschtinktur, mit Umkehrverfahren also Negativdrucken, oder Belichtungen von Transpentpapierzeichnungen oder Terpentinauswaschungen von Kopien. Die Anwendungen der Lithographischen Verfahren und deren Kombination sind so vielfältig wie die Phantasie der Künstler für das, was sie realisieren müssen. Und der Drucker staunt, bangt, beliest sich, trägt das Experiment mit, bereitet alles vor und äußert Bedenken als Fragestellung: „Willst Du das wirklich?“ oder“ Hab ich Dir doch gesagt.“ oder „Hab ich doch geahnt, das das nix wird.“. Das darfst Du nicht persönlich nehmen, es sind seine lauten Selbstgespräche. Wie das bloß drucken?
So geht das hin und her an den Werkstatttagen mit Tee und Zigarettenpausen. Im blauen Dunst musst Du eine Entscheidung treffen. Und Frank, ist schon bei den Steinen einer anderen Künstlerin, die filigranst Linien nebeneinander gezeichnet hat.

Natürlich hat ein Drucker Lieblinge. Künstlerinnen, die ihm liegen. Künstlerinnen, deren Bildwelt ihm imponieren. In die er sich hineinleben kann. Die er sich anverwandeln kann. Die etwas zeigen, was so noch nicht gesehen wurde. Die sich abarbeiten, die es wissen wollen. Künstlerinnen aus seiner Generation. Die über Jahre die Werkstatt aufsuchen und mit ihm arbeiten. Sein Wissen schätzen, seine Geduld, sein Verständnis. Künstlerinnen, die Stoff bieten, der sich in Literatur, in Musik, im Gespräch wiederfindet. Die zu langem Austausch im Kabuff führen, die das Drucken vergessen lassen, mit denen er Ski fährt, Theateraufführungen besucht, in Konzerte geht, sich über ferne und nahe Landschaften und Reisen austauscht, die dem Roten und Weißem nicht abgeneigt sind, sich lange über Terroirs und Trauben unterhalten wird, über Zubereitungsarten von Gemüse und Fleisch, die zu Kochgelagen führen, zu langen Tafeln in der Werkstatt. Die Arbeit und das Leben in der Werkstatt eint. Die Werkstatt, die oft gar nicht verlassen wird. Ein Höhlenort für gezeichnetes Leben auf bedruckten Papieren.

Diese Melange, der Mann vor Ort und die Künstler kommen von außen, was geht da ab, war für mich der HotSpot, an dem ich reicher wurde, auch an Anekdoten. Eine Werkstatt muss ein Ort sein, an dem unterschiedliche Haltungen und Anschauungen kulminieren. Nur dann ist sie lebendig und Du gehst dahin, um etwas zu realisieren und fügst Dich ein in den Strom der unablässigen Versuche. Die Welt ist Eins.

Mit der Übergabe der Werkstatt in der HfBK an Peter Hofmann 2018 startet Frank Walther verschiedene Testballons einer eigenen Werkstatt. Seine, seit 20 Jahren in Kunsthaus Pratzschwitz stehende Presse wird aktiviert. Material und Steine werden hin und her gefahren und landen 2023 schließlich in den Kellerräumen des Hinterhauses Nr. 31 in der Dresdner Friedrichstraße unter der Schmiede von Holger Schlegel. Dort, wo einst die Werkstätten der Denkmalpflege Dresden ihren Ursprung hatten. Er teilt sich den beheizbaren aber eigentlich unsäglichen Raum mit anderen. Das ist keine günstige Konstellation. Es mangelt an Licht, Wasser, Aufzug. Der Fußboden hat Löcher, ist uneben. Dennoch ist es ein Neustart mit 5 Künstlern, die einen Drucker über Wasser halten wollen. Das wird noch einmal eine intensive Zeit. Nach 2 Jahren steht Frank Walther allein im Raum und fragt sich, wie er das weiter bezahlen soll. „Bamm!“ Er zieht die Reißleine. Wieder steht alles in Pratzschwitz, doch nun abgeschrieben für immer. Es gibt keine Drucktermine mehr. Nur noch Zigarettenrauch.

Die Ausstellung „Der Steindrucker Frank Walther“ ist nur ein bescheidener Beleg der Lebensleistung des Druckers. Denn wir haben zwar aus den Bergen an Druckbelegen viel gesichtet, zuviel ausgewählt und können räumlich bedingt, wenig zeigen. Sie ist für mich vor allem Dank für die intensiven, gemeinsamen Jahre und jene Tage in der Werkstatt, in denen ich lernen musste, anders mit mir, dem Verlangen und dem Material umzugehen. Dafür danke ich, ja dafür danken wir, die Künstler, Frank!